Dieser Online-Shop verwendet Cookies für ein optimales Einkaufserlebnis. Dabei werden beispielsweise die Session-Informationen oder die Spracheinstellung auf Ihrem Rechner gespeichert. Ohne Cookies ist der Funktionsumfang des Online-Shops eingeschränkt. Sind Sie damit nicht einverstanden, klicken Sie bitte hier. ok

    Münchner Modepreis 2018: Designerin Otilia Vlad im Interview

    Haute-Couture-Designerin Otilia Vlad – Grenzgängerin mit Ambitionen. Die studierte Textilingenieurin setzt mit den Kollektionen ihres Labels Maison Octavian regelmäßig Signale Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Mit ihrer Abschlusskollektion "Frozen", die im Rahmen ihres Modedesign-Studiums an der AMD Akademie für Mode & Design entstanden ist, nimmt sie nun am Münchner Modepreis teil und stellt ihre Kollektion im Vorfeld der Preisverleihung ab 14. Februar 2018 bei LODENFREY aus.
    Otilia Vlad, Münchner Modepreis 2018
    © Otilia Vlad

    Im Rahmen des Publikumspreises haben alle Interessenten die Möglichkeit auf muenchen.de für ihren favorisierten Kandidaten abzustimmen. Im Interview berichtet uns Otilia Vlad über ihre Entwürfe, Inspirationen sowie ihre Ziele für das kommende Jahr.

    LF: Ihre Abschlusskollektion Frozen ist inspiriert von der organischen und symmetrischen Form der Eiskristalle und richtet ihr Augenmerk auf die Schätze der Natur unserer Welt. Wie fanden Sie zu diesem Thema?             

    OV: Die anfängliche Inspirationsquelle kam von den dramatischen Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur, einschließlich der Gletscher und Tierarten. Die Modeindustrie zeichnet sich für einen bedeutenden Grad der Schadstoffbelastung, einen hohen Wasserverbrauch, die Entsorgung gefährlicher Chemikalien, Mangel an Interesse an der Erhaltung der Tradition und in einigen Ländern noch für die Verletzung der Menschenrechte und schlechte Arbeitsbedingungen verantwortlich.Meine Abschlusskollektion stellt einen als Appell an die globale Reaktion in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz dar.


    Frozen, Kleid, Münchner Modepreis 2018, Otilia Vlad
    © Otilia Vlad


    LF: Auf welche Art und Weise spiegelt sich Ihr Thema in Ihrer Kollektion wider?

    OV: Von Konzept und Titel bis zur Auswahl der Materialien und Realisation signalisiert meine Kollektion die Notwendigkeit, die destruktive Auswirkung des Fast-Fashion Phänomens klein zu halten und gleichzeitig die Natur, Tradition, Kultur und die eigene Identität zu bewahren. Die wiederholende und spitze Struktur der Eiskristalle, zusammen mit anderen ähnlichen und spektakulären Formen aus der Natur, wurden in die Entwürfe integriert. Die typische Symmetrie der Eiskristalle und die Vogelumrisse sind ein anderes markantes Merkmal der ganzen Kollektion. Dazu habe ich viel Handarbeit eingesetzt und nur natürliche, umweltschonende Materialien verarbeitet. Gerade die Verflechtung dieser Ideen und Techniken ist der spannende Teil der Arbeit.

     

    LF:  In unserer globalisierten Welt wird Mode immer schnelllebiger. Warum haben Sie sich als Modedesignerin für die Haute Couture entschieden?                    

    OV: Es gibt diverse Gründe dafür. Erstmal, weil Schul-Design zu begrenzt funktioniert. Haute Couture ist eine große weite Welt, die erforscht werden will. Sie hat eine Mehrdimensionalität, was universell bleibt. In der Haute Couture hat der Designer auch die Chance, sich viel künstlerischer auszudrücken, seine Materialien selbst herzustellen und seine Werke als Unikate zu realisieren. Andererseits, finde ich die Textilindustrie-Kette heutzutage noch zu umweltbelastend und ungenügend kontrollierbar. Davon kam meine Entscheidung, an der Massenproduktion nicht teilzunehmen. 

     

    LF: Was war Ihr außergewöhnlichster Einfall, den Sie umgesetzt haben?                   

    OV: Für diese Kollektion war es herausfordernd, die Hüte und die Stiefeletten selber zu realisieren und die ungewöhnlichen Formen der anderen Teilen der Outfits umzusetzen. Von meinen vorherigen Arbeiten - definitiv das Holzkleid.


    Hut, Frozen, Münchner Modepreis 2018, Otilia Vlad
    © Otilia Vlad

    LF: Welche Designer inspirieren Sie?                                                                     

    OV: Ich schätze vor allem die Werke von Alexander McQueen, Yves Saint Laurent, Coco Chanel, Elsa Schiaparelli, Jean Patou und Paul Poiret.

     

    LF: Welche Materialien setzen Sie bei Ihren Kollektionen ein und welche Techniken Ihrer Designer-Vorbilder verwenden Sie?                                     

    OV: Ein organisches Design ist schon in der Auswahl der Materialien spürbar: Gerade Stoffstreifen und Plissees aus Merinowolle, Stoffe aus Kamel- und Alpakahaaren, weich fließender Bio-Baumwolltüll, Bio-Merino-Jersey und Kamelhaare sind Elemente, die sich architektonisch in Haute Couture Modelle transformieren lassen, ohne ihre Identität zu verlieren.

    Eine fantasievolle Umsetzung vieler relevanten Details der Modekunstwerke in den letzten drei Jahrhunderten, die Verwendung verschiedener Techniken der Haute Couture, wie Plissieren, von Hand nähen, Netze bauen, mit Perlen besticken, Materialien manipulieren und abformen, Federn aus Wolle konstruieren, mit Farbe Akzente bemalen, Stoffe drapieren, Hüte künstlerisch gestalten, die an Elsa Schiaparelli erinnern, moderne, elegante und bewegungsfreie Schnitte, durch die Paul Poiret, Yves Saint Laurent und Gabrielle Chanel die Modegeschichte revolutioniert haben, mit umweltfreundlichen Materialien rationell arbeiten, alle zusammen umfassen die Essenz dieses Projektes.

                                                 

    LF: Ihr Holzkleid Maleficent wurde im Rahmen der Expo Mailand als Smart Innovation Design of the Year für die Eröffnung neuer Wege im Umweltschutz ausgezeichnet. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit bei Ihren Kollektionen?

    OV: Das ganze Studium war für mich ein Experiment, um die Schönheit und die unsichtbaren Qualitäten der natürlichen, rohen Materialien in den Vordergrund zu rücken. Durch ein Kleid aus Holz konnte ich das gut zeigen. Nachhaltigkeit ist der Kern meiner ganzen Arbeit. Damit beschäftige ich mich die ganze Zeit. Es liegt in unserer Verantwortung, die ökologischen Auswirkungen der Modeindustrie klein zu halten. Daran möchte ich teilhaben.

       

    Maleficent, Münchner Modepreis 2018, Kleid, Otilia Vlad
    © Otilia Vlad


    LF: Haben Sie einen persönlichen Lieblings-Trend in der neuen Frühjahr/Sommer-Saison?                                                                                            

    OV: Ich versuche generell, mich von diesen zu kurz lebendigen Trends abzuwenden. Die gestiegene Anzahl der Kollektionen pro Jahr drückt die Designer, um schnelle und oberflächliche Entscheidungen in dem kreativen Prozess zu bewerkstelligen. Sie haben kaum noch Zeit, zukunftsorientierte Entwurfsrisiken zu analysieren. Deswegen spielen die Trends heutzutage leider keine entscheidende Rolle, da der Zeitraum zwischen zwei konsekutiven Tendenzen zu kurz ist, auch damit sie von den Konsumenten richtig verstanden werden. Ich finde trotzdem von allen Trends der neuen Frühjahr/Sommer-Saison die dekonstruierten Schnitte, Pastelltöne und Transparenz sehr interessant und provokativ.

     

    LF: Gibt es eine Art Stil-Regel, der Sie folgen?                                                 

    OV: Ich schätze die Kleidungsstücke, die unsere Werte und Individualität repräsentieren und widerspiegeln und die uns zu einem ethischen Konsum und Slow-Fashion einladen.

     

    LF: Ihre Kollektion Frozen aus dem Modedesign-Studium an der AMD ist die letzte Arbeit vor Ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Worauf legen Sie Wert und was definiert Ihre Arbeit als zukünftige Designerin?             
                     

    OV: Mode kann auch nachhaltig, individuell und moralisch vertretbar sein. Darauf werde ich meine Arbeit fokussieren, um das Interesse der Konsumenten f
    ür Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu verstärken und die ökologische Auswirkung der Modeindustrie klein zu halten.In meinen Entwürfen werden traditionelle Techniken auf eine eigene Kreation von neuartigen natürlichen Materialien und Schnitten treffen.Ich werde auch versuchen, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Tradition und Kultur als Schwerpunkte im Unterrichtsprogramm der Modedesign Akademie zu integrieren. Die sind einige der wichtigsten Inputs für eine kreative, mutige und moralische Entwicklung der Designer. Eine Plattform dafür habe ich schon strukturiert.                                 

    Diese Beiträge könnten dich auch noch interessieren